Bildungskarenz, Teilzeit & Co – Diese Möglichkeiten hast du, wenn du eine Auszeit brauchst

Überlegst du dir schon länger, ob es Alternativen zu deinem Job gibt? Eventuell spielst du sogar mit dem Gedanken, dir eine Auszeit zu nehmen? Beim Recherchieren stößt du immer wieder auf Begriffe wie Bildungskarenz, Teilzeit und  Sabbatical, weißt aber nicht, ob das Möglichkeiten  für dich wären? Dann lies hier weiter.

Du bist jetzt also an dem Punkt angekommen, an dem dich dein Job nervt. So richtig nervt! Du würdest am liebsten alles hinschmeißen und einfach gar nicht mehr zur Arbeit kommen. Oder du merkst einfach, dass sich dein Job jeden Tag etwas weniger richtig anfühlt und du zunehmend unrund bist, wenn es wieder Montagmorgen ist. In beiden Fällen ist klar: Du und dein Job: ihr passt nicht mehr richtig zusammen. Bevor du aber alles hinschmeißt heißt es erst einmal: tief durchatmen und nichts überstürzen. Denn neben der ganz normalen Kündigung gibt es noch eine Vielzahl von anderen Möglichkeiten die du hast, wenn du eine Auszeit brauchst, um den Kopf wieder frei zu bekommen.

 

Teilzeit/Stundenreduktion

Teilzeit bedeutet, dass du kürzer arbeitest, als es im Gesetz oder kollektivvertraglich  vorgesehen ist. (40 bzw 38,5 Wochenstunden). Von einer Vollzeitstelle auf Teilzeit zu reduzieren ist eine wunderbare Möglichkeit, wenn du dir neben deinem Brotberuf langsam etwas anderes aufbauen möchtest. Du hast noch die Vorteile eines regulären Jobs (zB ein regelmäßiges Einkommen, Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, festes soziales Umfeld, Versicherungsschutz), aber dennoch mehr Zeit für eigene Projekte. Der Nachteil ist, dass du so natürlich weniger Gehalt bekommst und sich das auch auf deine Arbeitslosengeld- und Pensionsansprüche niederschlägt. Bei der Umsetzung muss der Arbeitgeber zustimmen.

Fazit: Mein Favorit, um sich langsam an ein neues Berufsfeld in der Selbstständigkeit heranzustaten.

 

Übestunden abbauen

Wenn du einen Arbeitsvertrag hast, in dem du “Zeitausgleich” nehmen kannst, dann kannst du deine Mehrstunden natürlich gut nutzen, um sie als freie Tage abzubummeln. Das hat den großen Vorteil, dass du dir so einfach und unkompliziert zusätzlich Urlaubstage schaffen kannst. Der Nachteil ist, dass es diese Möglichkeit aufgrund der immer populärer werdenden  “all in”-Verträgen für viele Jobs nicht mehr gibt. Zeitausgleich muss mit dem Vorgesetzten im Regelfall abgestimmt werden.

Fazit: Die wohl einfachste Lösung, um mehr Freiheit für dich herauszuschlagen und trotzdem deine regulären Bezüge zu erhalten

 

Unbezahlten Urlaub

Ich selbst habe keine Erfahrung mit Arbeitgebern, die unbezahlten Urlaub genehmigen, aber habe doch immer wieder Menschen getroffen, die das gemacht haben und sich so einige zusätzliche Wochen bzw Monate freie Zeit schaffen konnten. Der Vorteil von unbezahltem Urlaub ist, dass du eine merkbar längere Auszeit nehmen kannst, als nur mit dem Jahresurlaub und dennoch über einen Versicherungsschutz verfügst. Nachteilig ist, dass du während dieser Zeit natürlich kein Gehalt bezahlt bekommst. Der unbezahlte Urlaub muss mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden.

Fazit: Eine recht unkomplizierte Möglichkeit, an mehr Freizeit zu kommen, alllerdings ohne finanzielle Absicherung.

 

Sabbatical

Das Sabbatical ist zwar immer noch recht unbekannt, wird aber zunehmend von Arbeitnehmern genutzt. In diesem Modell wird über einen gewissen Zeitraum Arbeitszeit oder Gehalt “angespart”, die dann in weitere Folge als Auszeit konsumiert werden kann. Das bedeutet zB: Du arbeitest für vier Jahr Vollzeit, bekommst aber nur 75% deines Lohns ausbezahlt. Nach vier Jahren kannst du dir ein Jahr Auszeit nehmen und bekommst dann monatlich dein angespartes Gehalt ausbezahlt. Der große Vorteil hier ist natürlich, dass du auch während deiner Auszeit ein regelmäßiges Einkommen erhältst und versichert bist, denn dein Arbeitsverhältnis bleibt aufrecht. Den großen Nachteil sehe ich in der langen Vorlaufzeit.  Auch bei diesem Modell muss der Arbeitgeber zustimmen.

Fazit: Eine durchaus interessante Option für alle, die langfristig planen können und wollen, um dann eine Auszeit mit viel Sicherheit zu genießen.

 

Bildungskarenz

Eine besondere Form der Auszeit ist die Bildungskarenz. Hier wirst du zum Zwecke einer Ausbildung von deinem Arbeitgeber freigestellt. Bildungskarenz kann bis zu einem Jahr lang gewährt werden. Der Vorteil der Bildungskarenz ist, dass du während der Weiterbildung ein Grundgehalt erhältst und auch voll versichert bist. In diesem Modell sehe ich keine wirklichen Nachteile. Hast du einmal deinen Arbeitgeber überzeugt und er genehmigt die Bildungskarenz, so musst du lediglich einen gewissen Lernaufwand (20 Wochenstunden, bzw bei einem Studium 8 ECTS Punkte pro Semester) nachweisen, ansonsten gibt es wenig Auflagen. Auch eine Weiterbildung im Ausland ist möglich. Für die Gewährung der Bildungskarenz muss dein Arbeitgeber zustimmen. Dein Arbeitsverhältnis bleibt aufrecht, allerdings hast du keinen Kündigungsschutz.

Fazit: Bis zu einem Jahr Auszeit für deine Weiterbildung bei vollem Versicherungsschutz und Basiseinkommen.

 

Auszeit zwischen zwei Jobs

Eine weitere unkomplizierte Möglichkeit, um dir eine Mini-Auszeit zu verschaffen ist, dass du dir zwischen zwei Jobs einen gewissen Abstand lässt. Du kündigst also den einen Job, fängst im neuen Job aber erst einige Wochen oder Monate später zu arbeiten an. Vorteil: Recht infach umzusetzen. Nachteil. Braucht etwas Verhandlungsgeschick mit dem alten und neuen Arbeitgeber um den Abstand zwischen den Jobs groß genug auszuhandeln. Des weiteren hast du während dieser Auszeit kein Einkommen. Achtung: Falls du Arbeitslosengeld beziehen willst, gibt es hier einige Voraussetzungen. Also vorab gut informieren.

Fazit: Mein Standardvorgehen wann immer ich einen neuen Job angetreten habe.

 

Kündigung

Last but not least die gute alte Kündigung. Ultimo ratio, wenn gar nichts mehr geht.
Dein Vorteil hier: Du setzt einen klaren Schnitt und kannst selbst bestimmen, wann du das Unternehmen verlassen willst. Der größte Nachteil ist, dass du mit dieser Option unter Umständen kein Einkommen hast. Achtung: Bei Selbstkündigung hast du eine 4-wöchige Sperrfrist, bevor du Anspruch auf Arbeitslosengeld hast. Unter Einhaltung der Kündigungsfrist muss der Arbeitgeber einer Kündigung natürlich nicht zustimmen.

Fazit: Die konsequenteste Variante, einen Schlussstrich zu ziehen.


Eine Vielzahl von Lösungen – Welche ist die richtige für dich?

Du siehst also: Neben der klassischen Kündigung gibt es eine Vielzahl an weiteren Möglichkeiten wie Teilzeitarbeit, Bildungskarenz und Sabbatical, wenn dir der Kopf nach Veränderung steht. Es lohnt sich also, die verschiedenen Alternativen durchzudenken und zu überlegen, welche der Optionen am besten ins eigene Leben und die eigene Weiterentwicklung passt.

Bitte beachte: Das ist eine generelle Aufstellung von Möglichkeiten, die es gibt, wenn du deinen Job wechseln willst. Sie soll dir einen groben Überblick über die verschiedenen Optionen geben, ist aber natürlich keine rechtliche Beratung. Und diese Übersicht hat den Fokus auf Österreichische Regelungen. Soweit ich weiß, ist die rechtliche Lage in Deutschland aber sehr ähnlich. In der Schweiz weicht sie meiner Information nach zum Teil merkbar ab. Damit du rechtlich auf der sicheren Seite bist, empfehle ich dir deinen Einzelfall individuell abzuklären. Hier helfen die Arbeiterkammer, Gewerkschaft, Betriebsrat und natürlich ein Arbeitsrechtler weiter.

War diese Aufstellung hilfreich für dich? Hast du Erfahrung mit einer der vorgeschlagenen Alternativen gemacht? Oder noch zusätzliche Tipps?

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